Obfelder Geschichte: Anekdoten und eine unbekannte Schlacht

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Anlässlich des 175-Jahr-Jubiläums der Gemeinde Obfelden fand Ende August auch ein Dorfrundgang statt. Historiker Bernhard Schneider erzählte interessante Details rund um die Entstehung Obfeldens.

Für obfelden.info berichtet Philipp Metzler über einige Aspekte des Rundgangs. Fotos sind von Beat Kunz. Niedergeschrieben von Dominik Stierli. Und Bernhard Schneider hat freundlicherweise den Beitrag überprüft. Danke!

Der Rundgang startete auf dem Zendenfrei-Areal. Die ursprüngliche Bedeutung von „Zendenfrei“ war frei vom Zehnten, also von der wichtigsten Abgabe auf Grund und Boden befreit. Von allen anderen Äckern mussten 10% des Getreideertrags abgeben werden. Dafür erhielt man in katholischer Zeit sein „Seelenheil“. Etwas schwieriger wurde dies nach der Reformation, dennoch gelang es der Stadt Zürich, die Abgabe noch drei Jahrhunderte lang einzufordern.

Stehli-Seiden stoppt Abwanderung

Die Abgaben waren eine grosse Belastung für die Bevölkerung und immer mehr Leute zogen vom Gebiet weg. In den 1830er Jahre baute Stehli-Seiden in Obfelden ihre Fabriken und schuf so auf einmal 60 Arbeitsplätze. So wurde Obfelden nicht weiter entvölkert.

Stehli-Seiden Fabrik Oberlunnern. Quelle: Festschrift Obfelden von 1897

Lange Zeit wurde die Landbevölkerung von der Stadt unterdrückt. Die Städter lebten von der auf dem Land erwirtschaften Erträge. Der Pfarrer hatte in erster Linie keine religiöse Funktion, sondern war Repräsentant der Stadt und war auch dort ausgebildet worden. Er überwachte neben anderen Aufgaben auch den Einzug des Zehnten.

Abspaltung von Ottenbach

Natürlich war beim Rundgang auch die Entstehung Obfeldens ein Thema. Das war 1847, kurz vor dem Sonderbundskrieg. Erst seit den 1830er Jahre hatte die Schweiz eine liberalere Verfassung und damit war die Landbevölkerung der Stadt gleichgestellt. Vorher wäre nicht daran zu denken gewesen, dass ein Dorf in Zürich angehört wurde, um sich abzuspalten.

Zürich hatte in dieser Zeit Interesse daran, im Grenzgebiet zu den katholischen Gebieten keine Unruhe zu haben. Die Stadt wollte sicherstellen, dass Obfelden und Ottenbach loyal waren zu den reformierten Kreisen. Und so wurde dem Wunsch nach längerer Diskussion stattgegeben. Mehr dazu lässt sich auch in der Festschrift von 1897 zum 50-jährigen Bestehen der Gemeinde nachlesen.

Eine Schlacht in Obfelden

Die Innerschweizer Kantone wollten in dieser Zeit keinen Schweizer Staat und schlossen sich im Sonderbund zusammen. Im November 1847 kam es dabei zur wenig bekannten Schlacht bei Lunnern. Gemäss Historiker Bernhard Schneider war das wo möglich der einzige Krieg in der Geschichte, welcher unter der obersten Maxime stand, dass es möglichst wenig Opfer gab. Der Grund dafür war, dass die reformierten Kantone nicht die anderen unterdrücken wollten, sondern gemeinsam eine liberale Schweiz gründen. Und wenn zu viel Blut vergossen würde, werde man nie zu einer geeinten, funktionierenden Schweiz kommen.

Und tatsächlich gab es nur eine Handvoll Todesopfer. Man wählte eine ganz andere Kriegstaktik und kesselte die Gegner mit einer Übermacht ein. Als diese aufgaben, stellte man die Kämpfe sofort ein. Das setzte natürlich eine sehr disziplinierte Armee voraus.

Gefecht bei Lunnern, den 12ten Nover. 1847 Gez. u. Litht v. J. Bachmann. Quelle: Zentralbibliothek Zürich

Später folgte vom Referent eine weitere Geschichte zum Nachbarschaftsverhältnis. Die Gemeinden Obfelden/Ottenbach und Merenschwand lieferten sich da immer wieder Scharmützel. So wurden an der Reuss sogenannte Schupfwehre gebaut, so dass bei Hochwasser die Gebiete im Aargau überflutet wurden. Natürlich baute auch die Gegenseite solche Wehre. Es war ein richtiggehendes Wettrüsten. Irgendwann war das so chaotisch, dass man eine Reuss-Konferenz einberief und beschloss die Wehre beidseitig wieder abzubauen.

Umkämpfter Verkehr

Auch an der Reuss gab es ein Wettrennen, um den Bau der ersten Brücke. Um 1860 kam die erste Eisenbahnlinie ins Amt und es war plötzlich von Interesse gute Verkehrswege zu haben. So entschied Ottenbach eine massive Steinbrücke zu bauen. Obfelden wollte natürlich dagegen halten, da wir den Verkehr wollten und bauten schneller als die Nachbarn eine eigene Holzbrücke über die Reuss. Die Freude währte aber nur kurz. Bei einem Hochwasser wurde die ganze Brücke wieder weggeschwemmt. Obfelden baute danach dann doch noch eine richtige Brücke aus Stein.

Nach gut zwei Stunden endete der Spaziergang wieder am Ursprungsort. Alle Beteiligten waren der Meinung, dass man dies gerne wiederholen sollte.