Ein Abschied nach 21 Jahren im Restaurant Kreuzstrasse: Ein Rück- und Ausblick mit Ana Rukavina

Am Sonntag, 19. Dezember 2021 schliesst das Restaurant Kreuzstrasse in Obfelden. Im Abschieds-Interview erzählt Chefin Ana Rukavina von speziellen Erlebnissen, den beliebtesten Gerichten und ob Sie sich vorstellen kann, nochmals ein Restaurant zu übernehmen.

Abschiedsworte beim Eingang

Es ist ein ruhiger Morgen im Restaurant Kreuzstrasse. Noch vier Tage, dann ist Schluss. Beim Eingang liegt ein Abschiedsbuch mit vielen, guten Wünschen der Gäste drin. Das Telefon klingelt häufig, letzte Reservationen werden versucht. Eigentlich ist die Beiz aber bis zum Ende komplett ausgebucht. Trotzdem wird versucht, irgendwie noch Platz zu schaffen. Am Samstag und Sonntag ist „Ustrinkete“ angesagt.

obfelden.info: Seit wann führst du das Restaurant Kreuzstrasse?

Ana Rukavina: Ich habe das Restaurant im August 2000 übernommen, also seit über 21 Jahren. Vorher war ich für 6 Jahre in Knonau im Restaurant Freihof.

Wer gehört alles zum aktuellen Team der Kreuzstrasse?

Da ist Reini Jankovic. Er ist für alles mögliche zuständig. Im Service ist Melica Bosshard und unser Koch ist seit 6 Jahren Daniel Kraner. Und natürlich ich als Chefin.

v.l.n.r.: Reini Jankovic, Ana Rukavina, Daniel Kraner, Melica Bosshard

An welche speziellen Momente der letzten Jahre kannst du dich noch erinnern?

Ein grosser Schreckmoment war, als eine angemeldete grosse Gruppe für ein Helferessen nicht auftauchte. Auf Nachfrage kam heraus, dass das Datum falsch angemeldet wurde. So blieb nichts anderes übrig, als die vorbereiteten Essen sonst zu verkaufen. Aber das gelang ohne Probleme.

Speziell waren auch einmal vier Frauen, welche alle das Rindsfilet bei der Bestellung lobten und davon schwärmten. Als dieses serviert wurde, sind alle erschrocken. Sie hatten etwas total anderes erwartet. Aber sie fanden es dann trotzdem sehr fein.

Auch die Silvesterpartys waren immer toll. Es wurde jeweils mit 80 bis 90 Personen gefeiert. Einmal stürzte ein Gast während der Party die Treppe zu den Toiletten hinunter. Die Verletzungen waren aber nicht schwer.

Was waren den die beliebtesten Menüs?

Ana beim Interview

Sehr begehrt waren die Kalbsleberli und alle Arten von Cordon-Bleus, besonders das Berner Knoblauch Cordon Bleu. Aber auch die Rindsfiletstreifen „Stroganoff“, das Rindsfilet und das Entrecote „Kreuzstrasse“ hatte viele Fans. Und auch Riz Casimir oder das Wiener Schnitzel mit den zwei grossen, flachen Schnitzeln waren sehr gefragt.

Mir als Chefin war wichtig, dass dies alles meine Rezepte sind. Ich gebe das dem Koch vor und probiere jeweils auch die Saucen und Menüs. Eine Bernaise-Sauce sollte immer gleich schmecken, so wie es sich die Gäste gewohnt sind.

Als ich hier begann, wollte ich auch eine grosse Auswahl auf der Speisekarte. Ich wusste, dass es in einer Dorfbeiz viele Stammgäste gibt, die oft mehrmals pro Woche hier essen. Denen wollte ich auch eine Abwechslung an Speisen ermöglichen.

Wie war die Zeit während den Lockdowns und jetzt die Schliessung für dich?

Die beiden Lockdowns waren schwierig. Gottseidank gab es Unterstützung vom Staat. Aber ganz Schluss machen wollte ich in dieser Zeit nie. Während dem Lockdown Anfangs Jahr war mir immer klar, einen solchen Abgang soll es nicht geben. Ich wollte mich von meinen Gästen richtig verabschieden und mich für die Treue bedanken.

Mit dem Abschied von den Leuten kommt jetzt aber auch der Schmerz. Den Abriss des Gebäudes werde ich sicher nicht sehen wollen. Ich hänge auch an der Kreuzstrasse und den Gästen. Fürs Personal ist es etwas anderes als für mich. Es war eine mega tolle Gruppe, wie eine Familie. In diesen Jahren haben wir sehr schön zusammengearbeitet. Ich hoffe, dass alle eine neue Aufgabe finden. Das ist mit Corona allerdings gerade schwierig.

Wie sieht die Zukunft für dich aus?

Vorläufig habe ich gar keine Pläne gemacht. Einfach herunterfahren, Abschied nehmen. Wenn sich nichts ändert, werde ich in Obfelden wohnhaft bleiben. Sicher besuche ich meine Mutter in Slowenien und auch mal meinen Sohn in Florida.

Etwas neues kommt im Moment für mich während der Corona-Pandemie nicht in Frage. Wenn ich aber danach etwas Passendes finde, werde ich sicher meine Gäste benachrichtigen, dass ich wieder da bin.


Ana bedankt sich abschliessend bei allen Gästen für deren Treue über all die Jahre. Sie habe auch fast alle Gäste gekannt, es kam ihr vor wie eine grosse Familie. Sie wünscht von Herzen alles Gute und gute Gesundheit!