Obfelder Jahresrechnung 2025 zurückgewiesen – auf Wunsch des Gemeinderates

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Nicht nur herrschten an der Gemeindeversammlung vom 24. Juni aussergewöhnlich hohe Temperaturen, sondern der Antrag der Gemeinde selbst zur Rückweisung der eigenen Rechnung 2025 war aussergewöhnlich. Aber jetzt mal der Reihe nach. 

Nach der Versammlung der Sekundarschulgemeinde Obfelden-Ottenbach fanden sich 95 Stimmberechtigte im Singsaal Chilefeld ein. Die Versammlung wurde von ratternden Ventilatoren begleitet, welche aber nur für wenig Abkühlung sorgten.

Die Gemeindeversammlung fand kurz vor Ende der aktuellen Legislatur statt. So waren die drei neu gewählten Gemeinderäte noch nicht im Amt, aber im Saal anwesend und sie wurden auch kurz vorgestellt: Antonio Ricciardi, Philipp Schwendimann und Yves Dietre.

Gut besuchte Gemeindeversammlung vom 24. Juni.

Ertragsüberschuss von rund 2.6 Millionen Franken

Christoph Kobel bei seinem letzten Einsatz als Finanzvorstand.

Nach der Begrüssung übergab Gemeindepräsident Stephan Hinners das Wort an Finanzvorsteher Christoph Kobel. Es sprach von keinem einfachen Jahr. Die Umstellung der Software und die Kündigung des Leiters Finanzen und dessen anschliessende Krankschreibung führten zu Verzögerungen. Da der Jahresabschluss von Gesetzes wegen bis Ende Juni abgenommen werden muss, stand man unter grossem Zeitdruck. 

Bei der Präsentation der Zahlen konnte Kobel einen Mehrertrag von 2,6 Millionen Franken ausweisen – 3,9 Millionen Franken mehr als budgetiert. Einmal mehr hat die Grundstücksgewinnsteuer stark eingeschenkt. «Auch für 2026 sehe dies so aus», meinte Kobel. 

Mehrausgaben gab es auch im Bereich Gesundheit. Die Leute würden entgegen zur Corona-Zeit nun wieder vermehrt ins Pflegeheim gehen, aber auch die Spitexkosten steigen.

Der Gewinn wird dem Eigenkapital hinzugefügt, welches auf 67 Millionen steigt. Die Nettoinvestitionen liegen mit 1,2 Millionen Franken deutlich tiefer als erwartet. «Man budgetiert immer alles, was geplant ist», sagt Kobel. Wegen Verzögerungen konnte aber ein grosser Teil noch nicht umgesetzt werden. 

Externe Revisionsstelle und RPK lehnen Rechnung ab

Nach der Präsentation der guten Zahlen kam aber die Überraschung. Die externe Revisionsstelle der Gemeinde nimmt die Rechnung 2025 nicht ab! Es gebe zu viele Unstimmigkeiten, welche der fehlerhaften Systemumstellung geschuldet sind.

Auch die Rechnungsprüfungskommission beantragte, wie Präsident Ralph Kleiner am Rednerpult mitteilte, die Ablehnung der Rechnung. Dies anders als im Beleuchtenden Bericht geschrieben. Damals lag der Bericht der externen Revision noch nicht vor. 

Gemeinderat empfiehlt Rückweisung

Stephan Hinners zeigte sich einsichtig und sprach, dass man sich für die Rechnung nicht den angestrebten 5 ½ in Schulnoten geben könne, sondern wenn, dann eine knappe 4. Da eine solche Situation für die Bevölkerung wie auch für den Gemeinderat unbekannt sei, zeigte Hinners die möglichen Varianten und deren Konsequenzen auf: 

  • Nichtgenehmigung der Rechnung (keine rechtlichen Folgen, allenfalls Missfallenskundgebung der Stimmberechtigten, erneute Genehmigung gesetzlich nicht vorgeschrieben, Korrekturen mit Rechnung 2026)
  • Rückweisung der Rechnung (muss dadurch überarbeitet werden, keine gesetzliche Frist, Gemeinde strebt aber die Dezember-Versammlung dafür an)
  • Genehmigung der Rechnung (Korrekturen erfolgen dann via Rechnung 2026)

Der Gemeinderat empfahl der Versammlung nun die Rückweisung der eigenen Rechnung. Hinners sagte, es sei sein Qualitätsanspruch, dass die Rechnung korrigiert werde. Die nicht korrekten Positionen seien bekannt, aber es nehme noch viel Zeit in Anspruch, alles zu überarbeiten. 

Systemumstellung als Herausforderung

In den Wortmeldungen aus der Versammlung war die Rede von einem totalen Chaos, es wurden Fragen zur Haftung der involvierten Unternehmen laut, und was denn alles falsch gerechnet wurde. 

Die Gemeinde verwies dazu nochmals auf die herausfordernde Situation mit Systemumstellung und Personalausfall. Auch dass man diese Umstellung unterschätzt habe. Man stehe mit den Unternehmen im intensiven Austausch. Wie sich die korrigierte Rechnung präsentieren werde, lasse sich im Moment nicht abschätzen. 

Die Versammlung folgte dem Antrag des Gemeinderates zur Rückweisung der Rechnung 2025. Somit wird diese bereinigt und an der Gemeindeversammlung vom 2. Dezember 2026 neu präsentiert. 

Grosser Dank und Verabschiedungen

Nach dem offiziellen Teil folgten die Verabschiedungen. Mit dem Ende der Legislatur scheiden drei Personen aus der Rechnungsprüfungskommission aus: Präsident Ralph Kleiner nach 4 Jahren sowie Mirjam Heinemann und Hans-Jörg Schmidhauser nach jeweils 8 Jahren. Auch die Primarschulpflege verliert mit Karin Steigmeier (8 Jahre) und Benno Steinmann (6 Jahre) zwei Mitglieder. Alle Anwesenden wurden mit den besten Wünschen und einem Geschenkkorb verabschiedet.

Aber auch drei Gemeinderäte waren letztmals mit dabei: Schulpflegepräsident Markus Gysel und die Gemeinderäte Diana Caruso und Christoph Kobel. An alle ging ein herzlicher Dank für die geleisteten Arbeiten und ebenfalls ein Geschenkkorb.

Einen ganz speziellen Dank für die beeindruckende Amtszeit von 24 Jahren richtete Stephan Hinners an Finanzvorstand Christoph Kobel. Gemäss seinen Informationen sei noch niemand länger im Gemeinderat in Obfelden im Amt gewesen, sagte Hinners. «Er war meine persönliche Enzyklopädie in dieser Zeit», sagte der Gemeindepräsident. Dazu kamen auch noch zusätzliche Engagements beim Spitex-Vorstand und dem Spital Affoltern. Auch die Versammlung zollte Christoph Kobel ihren Respekt und verabschiedete ihn mit einer stehenden Ovation und langanhaltendem Applaus. 

Um 20.45 Uhr konnte man sich dann dem Apéro widmen.

Diana Caruso, Markus Gysel und Christoph Kobel wurden verabschiedet.

Dominik Stierli

Dominik Stierli schreibt seit 2018 für obfelden.info. Von 2022 bis 2026 schrieb er als Redaktor auch für den Affolter Anzeiger. Über schreibende Unterstützung bei obfelden.info freut er sich jederzeit.

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