von Dominik Stierli für obfelden.info und den Affolter Anzeiger
Im Vorfeld der Gemeindeversammlung in Obfelden waren nicht nur die einzelnen Traktanden ein Thema, man fragte sich auch, wie lange eine Versammlung mit neun Traktanden, davon einige mit Diskussionsbedarf, dauern wird. Die Befürchtungen waren nicht berechtigt. Der formelle Teil dauerte knapp zwei Stunden – mit dem anschliessenden Info-Block ging man um 22.15 Uhr zum gemütlichen Teil über.
303 Stimmberechtigte fanden am 4. Dezember den Weg in die Mehrzweckhalle Zendenfrei. Unter anderem hatten die Sportvereine im Dorf mobilisiert, um bei der Entscheidung zur Erweiterung eben dieser Mehrzweckhalle mitzubestimmen. Dafür wurde auch ein Flugblatt versendet und in den sozialen Medien Aufrufe gestartet.
Erneut wurde die ganze Versammlung in Gebärdensprache verdolmetscht. Zwei Personen übernahmen diese Aufgabe.

Sanierung Schulhaus C: Teurer als geplant, trotzdem günstiger im Kredit
Zum Auftakt genehmigte die Versammlung ohne Gegenstimme die Kreditabrechnung zur Sanierung des Schulhauses C im Schulareal Chilefeld. Die Gebäudehülle war erneuert und eine Photovoltaikanlage installiert worden. Zwar lagen die effektiven Baukosten aufgrund von unerwartet aufwendigen Dacharbeiten um 78’000 Franken höher als geplant. Dank Fördergeldern unterschritt der Verpflichtungskredit schliesslich aber doch um rund 14’000 Franken den bewilligten Rahmen. Die Ersparnis beim Stromverbrauch – jährlich rund 12’000 Franken weniger – sowie ein deutlich reduzierter Heizölbedarf wurden vom Gemeinderat als zusätzlicher Nutzen hervorgehoben.
Ersatzneubau Schlossächer: Hoher Raumbedarf und angespannte Finanzperspektive
Mehr Gesprächsstoff bot Traktandum 2, in dem es um den Ersatzneubau am Kindergartenstandort Schlossächer ging. Bildungsvorstand Markus Gysel schilderte, wie eng die Platzverhältnisse in der Schule geworden seien. Vorgesehen sind drei Kindergärten im Erdgeschoss, flexibel nutzbare Fachbereichszimmer und Nebenräume im ersten Obergeschoss sowie neue Räume für die Bibliothek und den Mittagstisch zuoberst. Gysel betonte die langfristige Nutzbarkeit und Offenheit der geplanten Raumstrukturen.
Rückfragen aus der Versammlung drehten sich unter anderem um die Finanzierung, die Entwicklung der Schülerzahlen und die Bibliothek. Finanzvorstand Christoph Kobel erklärte, dass sämtliche Projekte im Finanzplan enthalten seien. Bei einem Eigenfinanzierungsgrad von aktuell lediglich 13 Prozent werde man zwar Fremdmittel aufnehmen müssen, dies sei jedoch auch in der Vergangenheit üblich gewesen. Zur Entwicklung des Steuerfusses könne er angesichts konjunktureller Unsicherheiten keine Versprechen abgeben, doch sehe der Plan für die nächsten Jahre einen unveränderten Satz vor – wenn auch mit enger werdendem Spielraum.
Bei den Schülerzahlen erwarte man vor allem durch Zuzüge, von unter anderem jungen Paaren mit kleinen Kindern einen Zuwachs an Schulkindern. Schulzimmer an sich würden genügend bestehen. Mit diesem Projekte sollen vorallem zusätzliche Räume geschaffen werden.
Ein Fragesteller wollte wissen, ob die Bibliothek nicht am jetzigen Standort bleiben kann und man ein Stockwerk einsparen könnte. Gemeindepräsident und Hochbauvorsteher Stephan Hinners erklärte, dass vom Volksschulamt Vorgaben bestünden: „Obfelden müsste für seine Einwohnerzahl eine doppelt so grosse Bibliothek haben“.
Mit 11 Gegenstimmen wurde der Planungskredit von 350’000 Franken letztlich klar angenommen.

Erweiterung der Mehrzweckhalle Zendenfrei wird nach diskussionen genehmigt
Noch lebhafter wurde es beim Planungskredit für die Erweiterung der Mehrzweckhalle Zendenfrei. Der Gemeinderat möchte die Anlage um zwei zusätzliche Hallen erweitern, um dem wachsenden Bedarf der Schulen und Vereine gerecht zu werden. Seit 1983 sei in Obfelden keine neue Turnhalle mehr gebaut worden, betonte Stephan Hinners. Mit drei Schulnutzungen (Primar, Sek und Lernwerkstatt) und 27 Vereinen mit insgesamt rund 1180 Mitgliedern sei die Auslastung heute extrem hoch.
Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) hingegen riet zur Ablehnung und plädierte für eine kleinere Lösung: Eine zusätzliche Halle reiche aus, argumentierte RPK-Präsident Ralph Kleiner. Finanzpolitisch sei das Zwei-Hallen-Projekt schwer tragbar. Auf die Frage, was den die geschätzten Einsparungen beim Bau von nur einer Halle wären, wurde die Zahl von rund fünf Millionen Franken genannt. Zusammengefasst kann für 16,2 Mio. Franken (plus/minus 25 Prozent) eine Doppelturnhalle realisiert werden, für 11,2 Mio. Franken eine einfache Halle.
Mehrere Voten aus dem Publikum erwähnten, dass die bestehende Turnhalle Chilefeld nicht mehr den Ansprüchen genüge. „Die Halle gehört eher in ein Museum“ war eine der Aussagen. Somit wäre ein Teil der Doppelturnhalle mehr ein Ersatzbau. Auch der Steuerfuss in Zusammenhang mit den vielen Ausgaben wurde nochmals angesprochen.
Trotz der Bedenken folgte die Mehrheit der Versammlung der Argumentation des Gemeinderats. Der Planungskredit wurde grossmehrheitlich genehmigt. Vom politischen Prozess her, folgt nun ein Projektierungskredit für die Erweiterung. Darüber wird je nach Kosten an der Gemeindeversammlung oder an der Urne entschieden. Abschliessend wird dann an der Urne über den Baukredit befunden.

Kinderplanschbecken und Bachdurchlass: Zwei Projekte ohne Widerstand
Ganz ohne Diskussionen nahmen die Stimmberechtigten die nächsten zwei Geschäfte an. Für das neue Planschbecken im Freibad wurden 600’000 Franken gesprochen. Das Becken soll vergrössert, in Edelstahl ausgeführt und mit Sonnensegeln sowie spielerischen Elementen aufgewertet werden. Die Inbetriebnahme ist für Juni 2027 vorgesehen.
Auch der Verpflichtungskredit über 470’000 Franken für die Sanierung des Bachdurchlasses an der Räschstrasse fand breite Zustimmung. Die Kapazität des bestehenden Durchlasses ist ungenügend und muss aus Gründen des Hochwasserschutzes erweitert werden. Gleichzeitig wird der Bachlauf ökologisch aufgewertet und der Uferweg angepasst.
Neue Personalverordnung: Modernisierung trifft auf finanzpolitische Skepsis
Ausführlich diskutiert wurde anschliessend die neue Personalverordnung. Sie ersetzt das Reglement aus dem Jahr 2017, das laut Gemeinderat nicht mehr den Anforderungen eines modernen Personalrechts entspricht. Das bestehende Reglement wurde zudem mit zahlreichen Beschlüssen erweitert, so dass es unterdessen einen ganzen Ordner füllt. Neu sollen unter anderem Kündigungsfristen, Ferienansprüche und Dienstaltergeschenke direkt in der Verordnung geregelt werden und so unter die Kompetenz der Gemeindeversammlung fallen.
Die RPK kritisierte vor allem die Einführung der 40-Stunden-Woche und befürchtete steigende Personalkosten. Die Einführung machte der Gemeinderat aus Transparenz-Gründen im Vorfeld bekannt, obwohl dies nicht im neuen Reglement geregelt ist. Die Kompetenz zur Arbeitszeit bleibt unverändert beim Gemeinderat.
Gemeinderat Hinners widersprach den steigenden Personalkosten: Man wolle mit effizienteren Abläufen und Reorganisation die zwei Stunden pro Woche kompensieren. Zudem müsse sich die Gemeinde als Arbeitgeberin attraktiver aufstellen – der Fachkräftemangel treffe auch die öffentliche Verwaltung. Eine PwC-Studie zeige auf, dass 2030 rund 30’000 Fachkräfte in den öffentlichen Verwaltungen fehlen werden.
Mit 140 zu 77 Stimmen – bei vielen Enthaltungen – wurde die neue Personalverordnung angenommen.
Kinderbetreuungsreglement und Budget 2026 angenommen
Auch das neue Reglement über die Beiträge an die Kinderbetreuung erhielt breite Zustimmung. Es sorgt gemäss Bildungsvorstand Markus Gysel für einheitliche Beiträge in allen Bereichen (Tagesstrukturen, Kinderkrippen und Spielgruppen). Die Einkommensobergrenze für Beiträge an die Eltern wird mit dem neuen Modell bedeutsam angehoben. Die Einkommensuntergrenze, bis zu dem der Maximalbetrag ausgerichtet wird, steigt ebenfalls.

Zum Schluss genehmigte die Versammlung das Budget 2026. Trotz erwartetem Verlust von 1,3 Millionen Franken bleibt der Steuerfuss bei 95 Prozent. Mit der an diesem Abend von der Sekundarschulgemeinde Obfelden/Ottenbach beschlossenen Steuersenkung (minus 1 Prozent) kommt der Gesamtsteuerfuss neu auf 118 Prozent.
Finanzvorstand Christoph Kobel sprach von höheren Kosten gegenüber dem aktuellen Budget in den Bereichen der Sozialen Sicherheit (plus 741’080), bei der Bildung (plus 510’100) und bei der Gesundheit (plus 343’553). Insgesamt sind 2,10 Mio. Franken Mehraufwendungen budgetiert. Gemäss dem Beleuchtenden Bericht kann auf der Ertragsseite bei den Finanzen und Steuern mit einem Mehrertrag von 2,13 Mio. Franken gerechnet werden. Der Anstieg bei den Steuern ist unter anderem auf die Erhöhung der Grundstückgewinnsteuern um 800’000 Franken auf 3 Mio. Franken zurückzuführen. Diese Erhöhung sei aufgrund der Vorjahreszahlen gesetzt worden.

Ein Abend mit klaren Ergebnissen
Nach knapp zwei Stunden schloss Gemeindepräsident Hinners die Versammlung. Ohne Anfragen gemäss §17 des Gemeindegesetztes blieb noch Zeit für Hinweise auf kommende Termine – darunter der erstmals durchgeführte Neujahrsbrunch am 11. Januar 2026. Eine Anmeldung dazu ist nötig.
Nach dem formalen Teil folgten während einer halben Stunde weitere Informationen aus allen Ressorts. Diese Zusammenfassung folgt zu einem späteren Zeitpunkt.
Hinweis: Teile des Textes entstanden mit KI-Unterstützung.
