Der Gemeinderat Obfelden hat an seiner Sitzung vom 26. Mai die rasche Einführung einer Tempo-30-Strecke beschlossen. Diese betrifft den Abschnitt ab Höhe Fabrikstrasse bis zum Knoten Toussen (Lichtsignal Kreuzstrasse). Falls gegen diese Verkehrsanordnung keine Rechtsmittel ergriffen werden, soll die Umsetzung per Ende der Sommerferien erfolgen, also rechtzeitig zum Start des neuen Schuljahres am 18. August 2026. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Medienmitteilung hervor.
Lange Verzögerungen
Das Thema beschäftigt Obfelden schon seit mehreren Jahren. Nach der Eröffnung des Autobahnzubringers Obfelden/Ottenbach, welche die Dörfer vom Durchgangsverkehr entlasten soll, war auch eine Neugestaltung der Dorfstrasse geplant. Bereits 2022 war die Rede davon, dass man Tempo 30 und weitere Massnahmen prüfe.
Im Juni 2025 musste die Gemeinde bekannt geben, dass sich die Sanierung der Dorfstrasse und damit die Verkehrsberuhigung um zwei Jahre verzögert. Grund waren zahlreiche Einsprachen, welche zugleich auch Verbesserungspotentiale aufzeigten. So habe man sich entschieden, das Projekt neu aufzulegen. Im Rahmen der Verschiebung versprach die Gemeinde auch die Prüfung von Übergangsmassnahmen.
Diese sollen nun zügig kommen und sehen gemäss Mitteilung auch temporäre, flankierende Massnahmen vor. So seien Anpassungen der Markierungen, punktuelle seitliche Einengungen, Optimierungen der Veloführung sowie zusätzliche signaltechnische Massnahmen vorgesehen.
Markante Verkehrszunahme
Die Mitteilung enthält auch alarmierende Statistiken. So ergaben ergänzende Verkehrserhebungen vom Januar 2026 eine markante Zunahme des Verkehrsaufkommens auf der Dorfstrasse. Diese beträgt fast 54 Prozent.
| Mai 2025 | Januar 2026 |
|---|---|
| 4’955 Fahrzeuge | 7’608 Fahrzeuge |
Ein Verkehrsgutachten habe zudem ungenügende Sichtweiten, konfliktträchtige Grundstückszufahrten, Defizite bei der Linienführung sowie Schwachstellen in der bestehenden Veloinfrastruktur aufgezeigt. Auch sei es zwischen 2020 und 2024 auf dem betoffenen Abschnitt zu 30 polizeilich registrierten Verkehrsunfällen gekommen, wobei acht Kinder an Unfällen beteiligt gewesen waren.
Eine Transiterhebung im September 2025 hat zudem ergeben, dass in den Abendspitzenstunden gut die Hälfte des Durchgangsverkehrs über die Dorfstrasse fährt und nicht die Umfahrung nutzt. Im durchschnittlichen Tagesverkehr gar rund 62 Prozent.
Zeitverlust von 58 Sekunden
Das Gutachten kam nun zum Schluss, dass die Voraussetzungen für eine Herabsetzung der
Höchstgeschwindigkeit gemäss der kantonalen Signalisationsverordnung erfüllt seien.
Vorgesehen ist eine gut 1,2 Kilometer lange Tempo-30-Strecke zwischen der Einmündung Fabrikstrasse (ehemaliges Restaurant Löwen) und dem Knoten Toussen (Lichtsignal Kreuzstrasse). Im Gegensatz zu einer Tempo-30-Zone gilt auf der Strecke kein Rechtsvortritt. Ebenfalls bleiben die Fussgängerstreifen erhalten. Fussgänger haben wie bisher, aussen bei den Fussgängerstreifen, keinen Vortritt auf der Strecke. Der Zeitverlust durch die Tempo-Reduktion beträgt knapp eine Minute.
| Tempo | Zeit |
|---|---|
| 30 Stundenkilometer | 2 Minuten 24 Sekunden |
| 50 Stundenkilometer | 1 Minute und 26 Sekunden |
«In den letzten Monaten hat die Gemeinde mit den verschiedenen Gutachten, Analysen und
Peter Weiss, Gemeinderat und Vorsteher Umwelt und Verkehr
Erhebungen eine fundierte Datengrundlage für das weitere Vorgehen geschaffen. Diese
Arbeit nahm Zeit in Anspruch und war zwingend notwendig, damit wir nun die Herabsetzung
der Höchstgeschwindigkeit und der weiteren Massnahmen beschliessen konnten. Der
Handlungsbedarf ist klar gegeben und mit Zahlen belegt.»
Die geplante Verkehrsanordnung werde in den amtlichen Publikationsorganen sowie auf der Website der Gemeinde veröffentlicht. Ohne Einsprachen wäre die Umsetzung auf Ende der Sommerferien geplant.
Aktivitäten auf Instagram
Generell war es um das Thema in den letzten Monaten ruhig. Zu ruhig, wie neuerdings ein Instagram-Kanal findet. In den letzten Wochen setzte sich dort eine Community namens „Zukunft Obfelden“ für die Anliegen betreffend der Dorfstrasse ein. Auf deren Instagram-Kanal wurde auf die Missstände im Dorf aufmerksam gemacht. So wird die lange Verfahrensdauer angeprangert und die andauernde Gefährdung der Schulkinder. Die Gruppierung wolle sich gemäss eigenen Angaben als parteilose Community positionieren.
obfelden.info hat die anonyme Gruppierung für ein Gespräch angefragt. Diese steht aber dafür nicht zur Verfügung. Fragen könnten nur per Text-Nachricht eingereicht werden. Man wolle bewusst keine Einzelpersonen in den Vordergrund stellen, sondern als Community auftreten, lies man verlauten. Auf ein Interview mit obfelden.info zum Thema verzichte man derzeit. Das Instagram-Profil verfügt aktuell über etwas mehr als 200 Follower.
